(ots) - Das Rheinisch-Westfälische Institut für
Wirtschaftsforschung ermittelte in Zusammenarbeit mit dem
Arbeitgeberverband Pflege erstmals Zahlen, Daten und Fakten zur
wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedeutung der privaten
Pflegeanbieter in Deutschland.
Dr. Boris Augurzky, Kompetenzbereichsleiter Gesundheit des
Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI),
legte am heutigen Mittwoch erstmals mit dem "Faktenbuch Pflege"
umfangreiches Zahlenmaterial zur Bedeutung privater Anbieter in der
stationären und ambulanten Pflege vor. Er kommt dabei zu folgenden
Ergebnissen:
- Das Volumen des deutschen Pflegemarktes wird bis 2030 auf gut 47
Mrd. Euro steigen(in 2009 lag es bei 30 Mrd. Euro).
- 2009 gab es bereits 2,4 Millionen Pflegebedürftige in
Deutschland. Bis 2030 wird sich die Anzahl auf 3,2 bis 3,4
Millionen Menschen erhöhen.
- 40 % der Pflegeheime und 62 % der ambulanten Dienste sind in
privater Trägerschaft.
- Zwischen 1999 und 2009 wurden 160.000 neue Arbeitsplätze in
Pflegeheimen und ambulanten Diensten zur Verfügung gestellt,
davon fast 90.000 für Pflegefachkräfte.
- Private Pflegeeinrichtungen haben zwischen 1999 und 2009 über
125.000 neue Pflegeplätze geschaffen.
- Die Anzahl der von privaten ambulanten Diensten gepflegten
Menschen hat sich zwischen 1999 und 2009 von 123.000 auf 241.000
Fälle fast verdoppelt.
- Das Einkommen von Pflegefachkräften liegt durchschnittlich bei
2.400 Euro.
- Private Pflegeeinrichtungen sind im Durchschnitt 5 bis 10 %
preisgünstiger als nicht-private Einrichtungen. Dies bei
mindestens gleicher Pflegequalität und gleichem
Pflegekräfteeinsatz (ohne trägerspezifische Förderung wären
private Einrichtungen sogar 8 bis 12 % günstiger).
- In Landkreisen mit vielen privaten Pflegeanbietern sinken auch
die Preise der nicht-privaten Träger.
- Zwischen 1999 und 2009 wurden schätzungsweise 29 Mrd. Euro in
Pflegeeinrichtungen investiert, davon allein die Hälfte von
privaten Trägern.
- Bis 2020 fallen weitere 35 Mrd. Euro an Investitionen an.
Zwei Drittel aller Pflegeplätze werden vermutlich in privaten
Einrichtungen geschaffen.
- Die Anzahl der privaten Pflegeeinrichtungen wird daher in den
kommenden Jahrzehnten stark anwachsen.
- Ferner werden mindestens 170.000 zusätzliche Beschäftigte (davon
75.000 Pflegefachkräfte) benötigt. Unter Berücksichtigung von
Personalfluktuationen werden es sogar noch mehr sein.
- In der Summe zahlen private Heime pro Jahr 28 Millionen Euro
Steuern (nicht-private 18 Millionen Euro und weisen
abgeschriebene Fördermittel in Höhe von 1,8 Millionen Euro aus
(nicht-private 7,1 Millionen Euro).
- Nach den Kriterien des GKV-Spitzenverbandes sind private
Pflegeeinrichtungen qualitativ mindestens genauso gut, wie
nicht-private Einrichtungen.
"Die privaten Anbieter bilden schon heute einen großen und immens
wichtigen Teil der deutschen Pflegelandschaft. 40 % aller
Pflegeeinrichtungen und 62 % der ambulanten Dienste befinden sich in
privater Trägerschaft. Zwei Drittel aller Pflegeplätze werden
zukünftig durch private Unternehmen geschaffen werden. Schon heute
wäre eine flächendeckende Versorgung pflegebedürftiger Menschen ohne
das Engagement privater Anbieter, die in den letzten Jahren viele
Milliarden Euro investiert haben, nicht mehr möglich. Es ist wichtig
zu wissen, dass sie in der Regel Ihre Leistungen um 5 bis 10 %
günstiger anbieten als nicht-private Träger, auf weniger öffentliche
Fördermittel zurückgegriffen haben und auch mehr Steuerabgaben
zahlen", berichtet Dr. Boris Augurzky.
Das RWI konnte nachweisen, dass dieser Preisvorteil für Bewohner
und Sozialhilfeträger nicht zu Lasten der Qualität geht. "Die
Pflegewirtschaft wird aber durch Verordnungen und Gesetzgebungen
stark belastet.
Der Wegfall von Pflegesatzverhandlungen und damit ein hin zu
Regelungen wie auf dem Mietmarkt, aber auch die Absenkung der
Fachkraftquoten könnte einiges an bürokratischer und finanzieller
Entlastung bringen. Eine Prüfinstanz sollte wohl ausreichen.
Doppelprüfungen von MDK und Heimaufsicht sind wenig effektiv und
belasten das Pflegepersonal in den Einrichtungen noch zusätzlich", so
Augurzky.
Thomas Greiner, Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Pflege: "In
Deutschland wird hochqualifiziert und engagiert gepflegt. Mit 970.000
Arbeitsplätzen gehört die Pflegebranche heute zu den größten
Wirtschaftszweigen in Deutschland und wird angesichts der
demographischen Entwicklung stark an Bedeutung zunehmen. Politik und
Pflegewirtschaft werden in einem gemeinsamen Bündnis an der Zukunft
der Pflege arbeiten müssen. An dem Willen und Vermögen aller Parteien
daran mitzuwirken, hege ich keinen Zweifel. Wir brauchen mehr
Ausbildung, die zeitverkürzte Umschulung langjährig tätiger
Hilfskräfte zu Fachkräften und die sofortige Anerkennung der in
EU-Staaten erworbenen Fachabschlüsse", so Greiner.
"Es hat sich für die Pflegewirtschaft als großer Nachteil
erwiesen, die unterschiedlichen Heimgesetzgebungen von 16
Bundesländern beachten zu müssen, die durch die letzte
Föderalismusreform deutlich mehr Befugnisse haben. Die rechtlichen
Rahmenbedingungen gehören praktikabel entschlackt, vereinheitlicht
und zwingend wieder in die Hoheit des Bundes überführt. Die kommende
Pflegereform muss ein "großer Wurf" werden, der die finanzielle
Sicherheit für Pflegebedürftige und deren Angehörigen auf der einen
Seite und die Rahmenbedingungen für Unternehmen und Beschäftigte auf
der anderen Seite garantiert. Und dies für die kommenden Jahrzehnte.
Vielleicht ist damit die Pflegereform eine der größten
Herausforderungen unserer alternden Gesellschaft, denn wir alle
werden in unserem nächsten Umfeld, aber auch materiell, daran
beteiligt sein", ist sich Thomas Greiner sicher.
Medienvertretern sendet der Arbeitgeberverband Pflege das
"Faktenbuch Pflege" gerne per Mail zu.
Die acht größten privaten Pflegeunternehmen in Deutschland und der
Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) haben sich im
Juni 2009 zum Arbeitgeberverband Pflege zusammengeschlossen. Der
Verband vertritt die sozialen, wirtschaftlichen und tariflichen
Interessen von mittlerweile über 30 der größten Unternehmen der
Pflegewirtschaft. Gemeinsam mit den Unternehmen im bpa repräsentiert
er rund 230.000 Mitarbeiter.
Der Verband setzt sich für eine zukunftsfähige Gestaltung der
Pflege ein.
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