(ots) - Schwieriger Neuanfang
Keineswegs aus reiner Menschenfreundlichkeit hat die algerische
Regierung die Familie Gaddafis aufgenommen. Hinter dieser
Entscheidung steckt kühle Berechnung. Algeriens Präsident Abdelasis
Bouteflika brüskiert bewusst die Rebellen im Nachbarland, denn er
fürchtet, dass der Funke der Revolution nach Tunesien, Ägypten und
Libyen auch auf Algerien überspringt. Ein weiterer Grund ist die
berechtigte Sorge, der islamistische Terror könnte wieder aufleben.
Unterdessen feiern die Menschen in Libyen ausgelassen das Ende der
Herrschaft des untergetauchten Diktators Gaddafi, während
gleichzeitig immer mehr seiner Gräueltaten bekannt werden. Aber noch
ist der letzte Rauch des Bürgerkrieges nicht verzogen, wird in den
letzten Hochburgen Gaddafis weiter gekämpft. Daher wäre es schlecht,
wenn die NATO, die den Rebellen zum militärischen Sieg verholfen hat,
das Land vorzeitig verlässt.
Schließlich wird es in Libyen und besonders in der lange
umkämpften Hauptstadt Tripolis dauern, bis Stabilität eintritt und
die Bevölkerung zum geordneten Leben zurückkehrt. Die fehlende
Versorgung mit Trinkwasser, Nahrungsmitteln und Medikamenten in
Tripolis kann auf Dauer zu Unzufriedenheit mit dem neuen Ãœbergangsrat
führen. Umso mehr braucht das Land jetzt die Unterstützung des
Westens. Diese Hilfe wäre zugleich ein wichtiges Signal an die
gesamte Bevölkerung in der arabisch-islamischen Welt.
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