(ots) -
Der GfK Verein hat in 25 Ländern die Vertrauensfrage gestellt:
Welche Wirtschaftsbranchen und Institutionen genießen das Vertrauen
der Bevölkerung? Die Deutschen setzen am meisten auf das Handwerk, am
wenigsten vertrauen sie Banken und Versicherungen. Polizei, Justiz
und Bundeswehr konnten bei den Institutionen die höchsten Werte
erzielen. Die politischen Parteien hingegen stehen auf der
Vertrauensskala ganz unten.
Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat Spuren hinterlassen: Nur 36
Prozent der Deutschen haben Vertrauen in Banken und Versicherungen -
sie bilden damit das Schlusslicht bei der Bewertung von
Wirtschaftsbranchen. Der Vergleich mit anderen europäischen Ländern
zeigt, dass die Finanzinstitutionen in Italien (24 Prozent), Spanien
(30 Prozent) und Frankreich (35 Prozent) noch schlechtere Werte
aufweisen. Dafür schätzen die Deutschen das Handwerk am meisten: 88
Prozent der Befragten vertrauen diesem Wirtschaftszweig. Das wird nur
in den Niederlanden mit einem Vertrauenswert von 90 Prozent
übertroffen.
Staatliche Stellen liegen in Deutschland weit vorne
In Deutschland führen staatliche Institutionen das
Vertrauens-Ranking an, was ein Beleg für eine gut funktionierende
Demokratie sein kann. An der Spitze steht mit Abstand die Polizei,
der 85 Prozent der Deutschen vertrauen. Gute Werte erzielen auch
Justiz und Gerichte mit 67 Prozent, Militär und Armee mit 62 Prozent
sowie Ämter, Behörden und Verwaltung mit 59 Prozent. Aber nur 29
Prozent vertrauen der Regierung. Wenig Zuversicht haben die Deutschen
auch in die Nichtregierungsorganisationen - sie erreichen mit 27
Prozent den schlechtesten Wert in Europa. Am wenigsten vertrauen die
Deutschen den politischen Parteien - sie erlangen nur 17 Prozent.
Andere europäische Länder zeigen allerdings noch größeren
Politikverdruss: In Frankreich liegt der Vertrauenswert der Parteien
bei 12 Prozent, in Italien und Spanien bei nur jeweils 9 Prozent.
Vertrauensvolles Miteinander in Europa
Trotz der für viele Menschen unsicheren Zeiten ist kein
allgemeiner Vertrauensverfall zu erkennen. 77 Prozent der Deutschen
gaben an, dass sie Mitmenschen allgemein voll und ganz bzw.
überwiegend vertrauen. Nur 21 Prozent sagen, dass sie wenig oder
überhaupt kein Vertrauen in andere haben. In Europa wird das
Miteinander insgesamt eher positiv eingeschätzt: Eine deutliche
Mehrheit der untersuchten Länder weist bei dieser Frage Werte von
mehr als 70 Prozent auf. Nur die Italiener legen ein gewisses
Misstrauen an den Tag: Lediglich 49 Prozent vertrauen ihren
Mitmenschen. Dieser Wert wird mit 47 Prozent nur von Argentinien,
Ägypten und Nigeria unterboten.
"Dabei zeigt sich in vielen Ländern ein klarer Zusammenhang
zwischen dem Vertrauen in die Mitmenschen und die Polizei und dem
Grad der Demokratisierung eines Landes. Wo Offenheit und Transparenz
vorherrschen, begegnet man in der Regel auch den Mitmenschen und der
Polizei mit mehr Vertrauen. Dies trifft beispielsweise auf
Deutschland, Schweden oder auch auf Kanada zu", kommentiert Raimund
Wildner, Geschäftsführer des GfK Vereins, die Ergebnisse.
Weltweit ist Vertrauen in Militär und Kirche groß
Im internationalen Vergleich verschiedener Institutionen können
Militär und Armee mit 79 Prozent das größte Vertrauen verbuchen.
Dabei zeigt sich ein international einheitliches Bild. In Frankreich,
Großbritannien, Polen, den USA, Brasilien und Japan beispielsweise
liegt das Militär bzw. die Armee ganz vorne. Auf Rang zwei folgen mit
59 Prozent die Medien (TV, Radio, Zeitungen). Der Kirche vertrauen im
Durchschnitt über alle untersuchten Länder 56 Prozent. Es folgen die
Medien, die in Indien und Indonesien mit 81 bzw. 77 Prozent jeweils
auf Platz zwei stehen. Der Kirche wird in Südafrika mit 82 Prozent
das meiste Vertrauen entgegengebracht, doch auch in den USA ist mit
78 Prozent das Vertrauen in diese Institution überdurchschnittlich
hoch und in Russland ist die Kirche mit 60 Prozent Vertrauenschampion
der Organisationen. Dagegen ist in Deutschland das Vertrauen mit nur
40 Prozent deutlich geringer.
Heterogenes Bild beim Vertrauen in einzelne Branchen
Über die 25 Länder insgesamt betrachtet, liegen bei den
Wirtschaftsbereichen die Unterhaltungselektronik- und
Haushaltsgerätehersteller sowie die Lebensmittelhersteller an der
Spitze, diesen Branchen vertrauen mehr als 70 Prozent. Jedoch zeigen
sich Unterschiede zwischen den Ländern: In Großbritannien, den USA
und Japan führt die Unterhaltungselektronik- und
Haushaltsgerätebranche das Ranking an. In Deutschland, Italien und
Polen steht das Handwerk an der Spitze. Die Franzosen halten den
Handel für besonders verlässlich und in Brasilien vertrauen die
Menschen vor allem den Arzneimittelherstellern. In Südafrika, wo das
Vertrauen in die Wirtschaft generell besonders hoch ist, liegen die
Lebensmittelhersteller mit 83 Prozent vorne, während sie global an
zweiter Stelle stehen.
Zur Studie
Die Ergebnisse sind ein Auszug aus dem GfK Global Trust Report
2011 und basieren auf rund 28.000 Interviews, die im Auftrag des GfK
Vereins im Herbst 2011 weltweit in insgesamt 25 Ländern durchgeführt
wurden. Grundlage der Untersuchung ist die Abfrage des Vertrauens in
elf Institutionen, elf Branchen und in die Mitmenschen allgemein
mittels folgender Skala: "vertraue ich voll und ganz", "vertraue ich
überwiegend", "vertraue ich weniger", "vertraue ich überhaupt nicht".
Der GfK Global Trust Report wird künftig jährlich veröffentlicht.
Zum GfK Verein
Der GfK Verein ist eine 1934 gegründete Non-Profit-Organisation
zur Förderung der Marktforschung. Er setzt sich aus rund 600
Unternehmen und Einzelpersonen zusammen. Zweck des Vereins ist es,
innovative Forschungsmethoden in enger Zusammenarbeit mit
wissenschaftlichen Institutionen zu entwickeln, die Aus- und
Weiterbildung von Marktforschern zu fördern und die für den privaten
Konsum grundlegenden Strukturen und Entwicklungen in Gesellschaft,
Wirtschaft und Politik zu verfolgen sowie deren Auswirkungen auf die
Verbraucher zu erforschen. Die Studienergebnisse werden den
Mitgliedern des Vereins kostenlos zur Verfügung gestellt. Der GfK
Verein ist Gesellschafter der GfK SE.
Weitere Informationen unter www.gfk-verein.org.
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