(ots) - In den Mühlen der Weltpolitik
Die spektakuläre Flucht des früheren amerikanischen
Geheimdienstlers Edward Snowden könnte aus einem Spionage-Thriller
des Bestsellerautors John le Carré stammen. Seit einigen Wochen
führen die Enthüllungen zu Spannungen zwischen den Großmächten USA,
China und Russland. Und nicht erst, als der 30-jährige Techniker von
Hongkong nach Moskau flog, geriet er in die Mühlen der Weltpolitik.
Schwer zu glauben, dass Präsident Wladimir Putin nun aus reiner
Menschenliebe handelt, wenn er dem am Moskauer Flughafen gestrandeten
Computerexperten Asyl gewähren will. Ein Imagegewinn mag für die
autoritäre Regierung im Kreml einer von mehreren Gründen sein, zumal
Russland selbst wegen seiner zunehmenden Einschränkung des Internets
einschließlich einer totalen Überwachung von Menschenrechtlern und
Medienexperten kritisiert wird.
Möglicherweise handelt es sich jetzt um einen Deal, der sowohl den
Vereinigten Staaten als auch Russland nützt. Bekannt ist, dass die
beiden Großmächte auf hoher Ebene über eine Auslieferung Snowdens
verhandelt haben. Was aber genau hinter dem Asyl-Angebot steckt, wird
die interessierte Öffentlichkeit wohl nie im Detail erfahren. Doch
man stelle sich einmal vor, Snowden wäre ein russischer
Geheimdienstler, der ein Ausspähungsprogramm Moskaus verraten hätte.
In diesem Fall hätte der Kreml den Informatiker vermutlich
erbarmungslos verfolgt.
Christof Haverkamp
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