(ots) -
Hinter sogenannten Niqab-Shops in Deutschland stehen zum Teil
islamistische bzw. salafistische Strukturen. Zu dieser Bewertung
kommen Islam-Experten, die Recherchen des ARD-Politikmagazins "Report
Mainz" eingeschätzt haben.
Wie "Report Mainz" zeigt, bieten mehrere Geschäfte in Deutschland
Vollverschleierungen für Frauen und selbst Khimar-Verschleierung für
Mädchen ab zwei Jahren an und werben offen dafür. Laut Prof. Dr.
Susanne Schröter, Leiterin des Zentrums Globaler Islam an der Johann
Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt, sind diese Läden "nicht nur
Modeläden, sondern Teile einer salafistischen Infrastruktur, in der
auch Informationen weitergegeben werden, und die auch als Treffpunkte
für Salafistinnen und Salafisten fungieren. Wir haben mittlerweile
eine ganz solide salafistische Infrastruktur in Deutschland. Die
Szene ist klar extremistisch, sie ist beunruhigend und es erfordert
Handlungsbedarf."
Verdeckte Aufnahmen, die dem ARD-Politikmagazin zugespielt wurden,
zeigen, wie eine Verkäuferin versucht, Druck auf eine Kundin
auszuüben, sich zu verschleiern. "Report Mainz" hat bundesweit
diverse Shops gefunden, bei denen eine Nähe zur islamistischen Szene
anzunehmen ist.
Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi von der pädagogischen
Hochschule Freiburg hat sich für "Report Mainz" ebenfalls mit den
Läden beschäftigt. Er hält die dort angebotenen Produkte,
insbesondere die Verschleierung für Kinder, für sehr bedenklich:
"Dass diese Form bei uns in Deutschland ist, ist total neu. Das ist
schockierend. Diese Läden konkurrieren mit der westlichen
Sozialisation hier bei uns. Besonders, wenn es um die Indoktrination
der Kinder geht. Wir brauchen nicht immer zu warten, bis etwas
passiert. Solche Läden sind eine Gefahr für unsere Gesellschaft, und
die müssen observiert werden." Mit dem Spruch "My right, my choice"
wirbt ein Plakat auf der Frankfurter Zeil offensiv für
Verschleierung. Das Geschäft gehört der Tochter eines salafistischen
Predigers. Gemeinsam mit ihrem Vater hatte sie schon vor zwei Jahren
ein anderes islamisches Geschäft in Frankfurt betrieben, den
Mekka-Shop. Für diesen Laden hatte auch der bekannte salafistische
Prediger, Pierre Vogel, Werbung gemacht.
In Wuppertal wirbt ein Laden mit eigenem Design und eindeutigen
Botschaften. Zum Beispiel findet sich hier ein T-Shirt mit der
Aufschrift "Tauhid" und einem ausgestreckten Zeigefinger. Eine Geste,
die häufig vom IS benutzt wird. Angeboten werden auch Pullover, auf
denen ein Glaubensbekenntnis in weißer Schrift auf schwarzen Grund
aufgedruckt ist. Für den Islam-Experten Abdel-Hakim Ourghi sind dies
deutliche Zeichen: "Wir sehen hier eine enge Verbindung durch
Symbolik zum IS, und das betrachte ich als Propaganda, und es ist
auch gefährlich für die hiesige Gesellschaft." Der zurzeit wegen des
Verdachts auf Unterstützung einer Terrorgruppe vor Gericht stehende
deutsche Salafist Sven Lau macht auf seiner Facebook-Seite Werbung
für diesen Laden.
Prof. Dr. Susanne Schröter sieht in den Läden eine Parallele zu
Läden, die im rechtsextremen Bereich Anhänger mit Produkten
versorgen: "Das sind Läden, in denen die Symbole einer Bewegung
erworben werden können, und das hat man in der rechten Szene auch. In
diese Richtung einer extremistischen Konsumkultur würde ich auch
diese Niqab-Läden einordnen."
"Report Mainz" hat bei den Recherchen auch eine besorgte Mutter
getroffen, die den Kontakt zu ihrer zum Islam konvertierten Tochter
mittlerweile verloren hat. Für die Radikalisierung ihrer Tochter
hätten Niqab-Shops eine entscheidende Rolle gespielt. Sie habe sich
immer mehr verschleiert. Im Interview mit dem ARD-Politikmagazin
berichtet die Mutter: "Mädchen, die konvertieren, machen das nicht
sofort zu 100 Prozent. Die lernen von ihren salafistischen
Freundinnen. Sie bereiten sie Schritt für Schritt vor, wie sie sich
kleiden sollen. Das ist Gehirnwäsche, jeden Tag."
Auf Nachfrage von "Report Mainz", ob das Bundesamt oder die
Landesämter für Verfassungsschutz solche Läden beobachten, bekommt
das ARD-Politikmagazin ausweichende Antworten. Zu konkreten
Geschäften wollen sich die Ämter nicht äußern.
Weitere Informationen auf www.reportmainz.de.
Zitate gegen Quellenangabe "Report Mainz" frei. Pressekontakt:
"Report Mainz", Tel. 06131/929-33351.