(ots) - Lance Armstrong hat in einer Talkshow jahrelangen
Dopingbetrug gestanden, berichten amerikanische Medien. Am Donnerstag
wird ein Interview mit Starmoderatorin Oprah Winfrey ausgestrahlt, in
dem der Radprofi, dem bereits im Oktober alle sieben Siege bei der
Tour de France aberkannt worden waren, über die Einnahme
leistungssteigernder Mittel seit den 90er-Jahren erzählt.
Nun hat Armstrong noch nie etwas dem Zufall überlassen, deshalb
überrascht diese maximale Inszenierung seiner Lebensbeichte auf einer
Showbühne nicht. Mit derselben Chuzpe, mit der er Konkurrenten und
Dopingfahnder jahrelang an der Nase herumführte, will der 41-Jährige
nun auch die Deutungshoheit über seine Fehltritte an sich reißen. Es
wird vermutlich mächtig menscheln und auch der Verweis auf die
unbestritten pharmaverseuchte Ära im Radsport nicht fehlen, um
Armstrongs Tun als Streben nach Chancengleichheit zu begründen. Bevor
noch Mitleid aufkommt, sei daran erinnert, dass da im Rampenlicht
kein juristischer Suizid stattfindet - sondern Armstrong den Jägern
der Gerechtigkeit einfach nicht mehr entkommen kann. Zu evident sind
die Vorwürfe gegen den vermeintlich größten Radsportler der Historie
am Ende gewesen, minutiös dokumentiert auf gut 1000 Seiten
Belastungsmaterial der US-Antidopingagentur. Sie entlarvte Armstrong
als Kopf eines quasi-mafiösen Systems und als jemanden, der zeit
seiner Karriere auf verbotene leistungssteigernde Mittel und Methoden
setzte.
Die Waffen strecken muss Armstrong letztlich ja aber nicht vor dem
Sportsystem. Erst staatliche Ermittler brachten den Stein ins Rollen,
weil die Angst vor Verurteilung wegen Meineids Helfer und Kollegen zu
den ersten Aussagen zwang. Diese Angst, wie einst schon die bei
Olympia so erfolgreiche Sprinterin Marion Jones im Gefängnis zu
landen, führt wohl nun auch bei Armstrong selbst zur Abkehr vom
bisherigen Verhaltensmuster. So hat vermutlich auch ein Ultimatum des
Justizministeriums dazu beigetragen, dass Armstrong seine Anwälte
beauftragte, bestmögliche Deals auszuhandeln (die ihn womöglich sogar
noch zum Kronzeugen für weitere Verfahren werden lassen), bevor er
sich an die Vermarktung seines Geständnisses machte. Denn nur so
bleibt ihm noch die Möglichkeit einer teilweisen Rehabilitierung auf
lange Sicht. Wenn auch nicht als Sports-, so doch als Geschäftsmann
und Celebrity. Zudem würde weiterer Schaden von der von ihm
mitgegründeten Krebsstiftung abgewendet, bei deren Mitarbeitern er
sich vor dem TV-Auftritt schnell noch persönlich entschuldigt hatte.
Diesen großen staatlichen Druck gibt es im stets auf Autonomie
bedachten Sport noch viel zu selten. Auch in Deutschland übt das
derzeit gültige Arzneimittelgesetz nicht genug Druck auf die
milliardenschwere Entertainmentbranche Profisport aus. Ganz abgesehen
davon, dass sich die Nationale Antidopingagentur wegen ihrer
chronischen Finanzierungsschwierigkeiten so ein Prozessrisiko wie im
Fall Armstrong niemals leisten könnte.
Nur wenn Armstrongs Auftritt bei Oprah Winfrey dazu führt, dass
hierzulande und auch anderswo über eine effektivere Dopingjagd
ernsthaft nachgedacht wird, wird das eine gute Sendung.
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