(ots) - Statt 850 Soldatinnen und Soldaten will die
Bundesregierung nun bis zu 980 nach Afghanistan schicken. Und die
bringen es? Das einzig Nachvollziehbare an der Zahl ist das
krampfhafte Bemühen der Verantwortlichen, die Tausendermarke nicht zu
touchieren. Dabei sollten sie sich lieber davor fürchten, was gerade
in Afghanistan abgeht. Der nie beendete Bürgerkrieg kehrt mit alter
Wucht zurück. Die Volksgruppen bekämpfen einander härter denn je
entlang religiöser und ethnischer Grundlinien. Jeder gegen jeden:
Taliban verschiedener Prägungen und Herkunft vorneweg, Reste von Al
Qaida mischen mit, diverse Warlords und Milizen kämpfen um Einfluss.
Paschtunen, Tadschiken, Hazara, Usbeken ... Und immer stärker
dabei sind Extremisten nach Prägung des Islamischen Staates.
Präsident Aschraf Ghani ist schwach, die Regierung noch schwächer,
über die Wirtschaft muss man kein Wort verlieren. Streitkräfte und
Polizei befinden sich - trotz intensiver Material- und
Ausbildungshilfe aus dem Westen - nicht nur moralisch in einem
erbärmlichen Zustand. Klar kann man sagen, sieh her, das ist der
Preis der »uneingeschränkten Solidarität«, die Rot-Grün 2001 den USA
entgegenbrachte, als die mal schnell ein paar Terroristen am
Hindukusch erledigen wollten. Doch was hilft der Hinweis? So wenig
wie 130 zusätzliche Berater, deren Absender ratlos sind. Statt jedem
Militärmandat zuzustimmen, wäre es Sache der Abgeordneten, von der
Regierung Alternativen zu fordern - um in Afghanistan politisch zu
retten, was zu retten ist.
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