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Westdeutsche Zeitung: Illegale Autorennen - deutliche Antowort gefragt

ID: 1359107

(ots) - Rennen mit Kraftfahrzeugen sind verboten. So
sagt es § 29 der Straßenverkehrsordnung. Doch diese Vorschrift
erreicht sie natürlich nicht - die gemeingefährlichen Fahrer, die ihr
Auto zur unkontrollierbaren Waffe machen. Entweder, weil sie sich
gezielt zum illegalen Autorennen verabreden. Oder weil es sich eben
so ergibt, wenn man zufällig auf einen anderen Selbstdarsteller
trifft. Einen, der auch meint, sein Ego durch den Tritt aufs Gaspedal
zur Schau stellen zu müssen. Immer wieder kommt es dabei zu
Todesfällen, bei denen nicht etwa nur die Raser selbst, sondern auch
Dritte zu Opfern werden. Der Fall in Hagen, wo es zwei Kinder, ihre
Mutter und einen weiteren Unbeteiligten traf, passierte nur gut einen
Monat nach einem viel diskutierten Urteil des Landgerichts Köln. Das
hatte zwei Raser mit Bewährungsstrafen nach Hause geschickt, deren
spontan verabredetes "Kräftemessen" eine 19-jährige Radfahrerin das
Leben gekostet hatte. Fahrlässige Tötung, so der Schuldspruch. Aber
ist solch eine Einordnung wirklich vertretbar? Und ist es nicht ein
falsches Signal an die Szene, die rechtliche Bewertung so lasch
ausfallen zu lassen? Bei Fahrlässigkeit im Straßenverkehr denkt man
doch eher an ganz andere Fälle. Dass jemand mal einen Moment nicht
aufpasst, und dann ist es passiert. Ein Unfall, vielleicht auch mit
Todesopfern - das kann jedem heute oder morgen passieren. Aber die
Autorennen, und zwar nicht nur die verabredeten, sondern auch die
spontan durchgeführten, haben doch eine ganz andere Qualität. Das
Verhalten der Täter, die Russisches Roulette mit ihrem eigenen und
dem Leben Unbeteiligter spielen, ist alles andere als fahrlässig:
Verkehrsregeln werden sehr bewusst übertreten. Seien es
Ãœberholverbote oder eine Ãœberschreitung des Tempolimits um das
Doppelte und mehr. Kann es wirklich sein, dass solche Leute gar nicht




in Erwägung ziehen, dass ihr Tun Menschenleben gefährdet? Dass es
sich um Ignoranten handelt, die nicht daran denken, dass die Raserei
durch ganz reale Straßen andere Folgen haben kann als ein Crash bei
einem virtuellen Autorennen am Computer? Schwer vorstellbar. Hier
dürfte nur ein erhöhter Verfolgungsdruck der Polizei auf die Szene
helfen. Und deutlich spürbare Sanktionen auch in den Fällen, in denen
es - ganz ohne das Verdienst der Raser, sondern aus glücklicher
Fügung - nicht zu so schlimmen Folgen kommt wie in Köln oder Hagen.



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Datum: 20.05.2016 - 19:11 Uhr
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